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Green Day - 21st Century Breakdown - Album Review

Am 15. Mai 2009 ist das wohl meisterwartete Album des Jahres, wenn nicht sogar der letzten fünf Jahre, erschienen. Viele haben darauf gewartet, wie andere auf den Sechser im Lotto warten, oder etwa auf die schon längst verdiente Beförderung. Tausende haben ihre Vorbestellungen mit zittrigen Fingern ins Internet gehämmert und die Tage in ihren Kalendern abgezählt.

Wahrscheinlich habt ihr’s schon längst selbst erraten, oder ihr wart gar unter den Wartenden: Green Day haben mit "21st Century Breakdown" endlich ihr achtes Album veröffentlicht. Aber nicht nur die Fans haben die Tage gezählt, auch die Kritiker. Waren die Erwartungen nach einer Vorlage à la "American Idiot" aus dem Jahr 2004 (Ja, das ist tatsächlich schon so lange her!) doch sehr hoch angesetzt. Aber warum das?

Die Band Green Day existiert seit 1987 (unter diesem Namen erst seit 1989, davor lautete der Name noch "The Sweet Children") und bringt bereits kurz danach ein derartig beeindruckendes Album heraus, dass ein Major Lable auf sie aufmerksam wird. Mit "Kerplunk!" aus dem Jahr 1992 legen Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tre Cool den Grundstein für ihre Karriere. 1994 schießen die drei zusätzlich gleich "Dookie" hinten nach und von da an gibt es kein Halten mehr. Ein Punk-Revival wird mit so einer Macht eingeläutet, dass ihnen unzählige Bands folgen. Das Album verkauft sich weltweit über 11 Millionen Mal und beschert ihnen somit Diamant-Status. Die Lieder "Basket Case" und "When I Come Around" sind DIE ikonisierten Lieder einer ganzen Generation Neopunks. Die darauffolgenden Alben "Insomniac" und "nimrod" knüpfen nahtlos an die bisherige Stilrichtung an.

Und dann kommt das neue Jahrtausend. Im Jahr 2000 veröffentlichen Green Day das Album "Warning", das nicht ganz spurlos bleibt. Ein Murren unter den Fans, die den Wechsel vom Punk weg hin zum Rock nicht wirklich gut heißen, und auch einige Querelen in der Band selbst drohen Green Day vorzeitig den Garaus zu machen. Schnell schiebt man noch 2001 das Greatest-Hits-Album "International Superhits" nach, bevor man sich dann 2004 doch zusammenrafft und zum großen, bereits erwähnten, Schlag ausholt.

"American Idiot" bringt ihnen 2005 sieben MTV Music Awards, einen Grammy und auch den Titel "Best Band On The Planet" ein. Das sind jedoch nur wenige von den zahlreichen Auszeichnungen, die sie aufgrund dieses Albums vorweisen können.

Nun gut. Das erklärt, warum die Erwartungen an "21st Century Breakdown" so astronomisch hoch sind. Aber befassen wir uns jetzt endlich mit dem Album selbst:

Wie bei ihrem letzten Album handelt es sich bei "21st Century Breakdown" um ein Konzeptwerk. Wenn auch um ein etwas Unentschlossenes. Bereits bei "American Idiot" haben sie damit begonnen und wieder haben sie bewiesen, dass sie über den Drei-Akkord-Punk hinweg sind und nun auch Einflüsse aus Rock durchaus mit Pop und der 60er-Beat-Welle mischen können. Der eigentliche und ursprüngliche Kern des Punkrock, mit dem sie eigentlich begonnen haben und erfolgreich wurden, wird mittlerweile nur mehr instrumentalisiert und verschwindet in der breiten Auswahl ihrer verschiedensten Arrangements.

Bei der erste Singleauskopplung "Know Your Enemy" kommt es einem so vor, als wollten Green Day bei jedem Satz, jedem Akkord und jedem Riff schreien: "Ja, wir sind es. Wir sind Green Day!" Und genauso kann man das Lied auch zuordnen: Eindeutig Green Day. Jedoch mit so einem starken Kommerz-Einschlag, dass ich eines Tages das Radio aufgedreht habe und mir gedacht habe: "Was? Ist das Green Day? Das kann doch nicht wahr sein?". Hm, scheinbar sind Radiosender endgültig auf den Geschmack gekommen, nachdem ihnen vom Musikstil entgegengekommen wurde.

Allgemein ist es erwähnenswert, dass sie sich, obwohl das Hauptziel ihrer Hass-Triaden (nämlich George W. Bush) eigentlich nicht mehr "existent" ist, immer noch Gedanken über die Nachwehen machen: "The album chronicles the life of a young couple named Christian and Gloria as they deal with the mess our 43rd president left behind...", lässt die Band wissen.

Green Day bleiben ihrer Linie treu und so schalten sie politisch noch ambitionierter als zuvor einen Gang höher und weiten die Kritik auf die ganze Gesellschaft aus. So handelt es sich bei dem Lied "Horseshoes and Handgrenades" um eine einzige drohende Anklage. Auch zu Beginn von "East Jesus Nowhere" kann man gleich das Statement "And we will see what a godless nation we have become!" hören.
Und genauso "American Eulogy": Dieses dreiteilige Werk lässt mit seinen Vorwürfen die Gesellschaft nicht ungeschoren davonkommen. Um es auf den Punkt zu bringen, sagt Billie Joe Armstrong: "21st Century Breakdown is a snapshot of the era in which we live as we question and try to make sense of the selfish manipulation going on around us, whether it be the government, religion, media or frankly any form of authority."

Obwohl "21st Century Breakdown" meiner Meinung nach etwas zu deutlich an "American Idiot" anknüpft und Neuheiten teilweise stark vermissen lässt, hat das Album auch ein paar Highlights vorzuweisen: Der Song "Peacemaker", der durch seinen interessanten Country-Einschlag erst richtig attraktiv wird, sorgt für die nötige Abwechslung.

"¡Viva la Gloria!" - Ja was soll man da sagen. Eindeutig mein persönliches Highlight vom Album. Lasst euch bloß nicht täuschen! Wer den langsamen Einstieg aussparen will, der spult gleich zu 1.08 Min. vor und kann dort Green Day-manierlich abgehen. Und auch die Fortsetzung "¿Viva la Gloria? (Little Girl)" gefällt. Zwar ist sie in einem anderen Stil gehalten, wirkt aber trotzdem stimmig.

Der nach dem Album benannten (eigentliche) Opener hält ebenfalls was er verspricht. Zwar eine eher ruhigere Gangart für den Einstieg, aber auf eine gewisse Art dennoch mitreißend und überzeugend.

Zusammenfassend muss man jedoch (leicht wehmütig) sagen, dass das Album überraschenderweise wenig überraschend ist. Soll heißen Green Day bleiben sich zwar treu, aber dennoch vermisst man die entwaffnenden, erstaunlich unerwarteten und für Green Day gar nicht untypischen Wendungen und Kniffe. Trotzdem handelt es sich bei "21st Century Breakdown" um ein Album, das zwar nicht besonders ungewöhnlich ist, sich aber dennoch von der Konkurrenz abzuheben vermag.

Und hier die gewohnte Tracklist…
01 Song of the Century
02 21st Century Breakdown
03 Know your Enemy
04 ¡Viva la Gloria!
05 Before the Lobotomy
06 Christian’s Inferno
07 Last Night on Earth
08 East Jesus Nowhere
09 Peacemaker
10 Last of American Girls
11 ¿Viva la Gloria? (Little Girl)
13 Restless Heart Syndrome
14 Horseshoes and Handgrenades
15 The Static Age
16 21 Guns
17 American Eulogy (Mass Hysteria – Modern World)
18 See The Light


| zurück | Ursi :: 18.05.2009

 
 
 
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