Wouldrock 09 - Photos!!!
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Weil wir so öd sind.

Wir werden's noch dazu kommen lassen, meinen sie. Die Welt wird wie St. Pölten in einer verregneten Novemberwoche, wegen uns. Sehnen werden sie sich einmal, ganz sicher, wenn wir dann einmal das Sagen haben, sehnen nach Mainzer Karneval und Musikantenstadl. Weil wir nur schwatzen, statt uns die Welt bunt zu machen. Was soll da schon rauskommen, wenn wir den ganzen Tag auf Facebook online sind und unsere banalen Statusmeldungen liken? Kritikfähigkeit lernen wir so sicher nicht, weil es den „Unlike“-Button noch nicht gibt. Da müsste man schon mühsam und aufwändig ein ganzes comment abgeben, mit Argumenten vielleicht sogar, wenn man die banale Statusmeldung eines der vielen, vielen Facebook-Freunde nicht so toll findet. Weil vielleicht die eigene Freundin postet, dass sie mit dem Boyfriend chillt, während man selber von einem Praktikum ins nächste hetzt.

Daweil sind wir gar nicht so. Den Mainzer Karneval haben wir nicht erfunden, und St. Pölten auch nicht. Wir machen Auslandssemester in Australien und Sofia, nicht in Paderborn. In Essen sind wir auch noch nie gewesen. Dafür können wir alle wunderbar asiatisch kochen, wenn wir Freunde in unsere Wohnung einladen, die wir zufällig auf Facebook gefunden haben. Das war nämlich überhaupt kein Problem, da hab ich nur kurz „brauchert a Wohnung“ als Statusmeldung gepostet, banal, ned wahr?

Die meisten von uns schreiben regelmäßig in zwei Weblogs und lesen täglich tausend andere. „Wir“ haben die lolcats und vertreiben uns die Zeit mit rickrolling; brennende Sackerl voll Gackerl vor Türen zu stellen ist auch nimmer. Die Coolsten sind aber immer noch die, die sich noch Häuser besetzen trauen. Warum das aber sowenige sind, versteht die Generation der über 40-jährigen halt leider nicht mehr. Die waren damals alle live dabei, durch die Bank – Bausparer inklusive -, während wir nur mehr „Opportunisten“ sind, und uns darauf gar noch was einbilden. Früher hätt's das nicht gegeben. Da war du noch ein Schimpfwort, so wie „Individuum“ ganz früher. Wobei die Idee von der rent seeking utility maximation auch nicht unbedingt von uns ist. Das wurde uns auch eher aufoktroyiert, glaub ich.

Aber wir wehren uns auch nicht dagegen, weil wir ja nicht einmal Zeit haben, vor lauter von einem Praktikum zum anderen hetzen und dazwischen nur noch banal auf Facebook labern wollen. Raus auf die Straße und rein in die Wiese, das ist nicht mehr. Weder Mut noch Wille zur guten alten Rebellion haben wir. Da ist noch was weitergangen, früher, wo die andern außer uns alle dabei waren. Leider würden wir heute aber kaum mit akademischen oder publizistischen Ämtern belohnt werden, für unser Querdenken. Dafür haben wir ja Jeans, Laptops und Cola Zero.
Und wild ist sie auch nimmer die Jugend, höchstens im Alkoholkoma, weil wir nix vertragen, ich sag's euch! Außerdem wählen wir den Strache!

Früher haben sie ja alle gekämpft und rebelliert – für eine bessere Welt, so wie sie sein soll. Früher war sogar Sex ein Mittel um aufzubegehren und am Ende war alles was übrig blieb Axewerbung für „muchos maracas“ und ein langes Logbuch der Erfahrungen mit missglücktem Geschlechtsverkehr (? vgl. Christoph und Lollo, „Wir brauchen ein Lied“).

Die Dümmsten von uns sind die, die erst verspätet reagieren, nämlich erst nachdem uns der Blumenau überhaupt auf das Problem verwiesen hat, das die Meredith Haaf so augenscheinlich in der SZ dargestellt hat. Weil wir ja unser eigenes Problem nicht erkennen, lieber labern und hetzen, mit unseren Laptops, zwischen den Polen der Entwürdigung, während wir unser gestörtes Körperbild im Spiegel betrachten. Oder einfach weil ein Baum, der im Wald umfällt kein Geraüsch macht, sondern nur ganz kurz die Luft ein bisschen zu schwingen bringt, wenn's niemanden interessiert, der's hören will.

„Wir“ sind übrigens „die 20-29jährigen“ (also ein recht bunt zusammengeschnittener Sautrog), so die „Kritiker“, die uns doch die Welt so schön bunt gemacht haben, wie die Bild-Zeitung den Fußball. So bunt will ich die Welt ja gar nicht haben, da tut ein bisschen Novembernebel schon gut, auch wenn man in St. Pölten sitzt und Schwarz-Weiß-Zeichnungen kritzelt.
... wenn ich nur meine letzten Nilpferd-Skizzen finden könnte, ich kann mich ja leider nicht mal mehr daran erinnern was ich das gezeichnet habe, sonst könnt ich's ja vielleicht nachzeichnen, vielleicht sogar besser noch, mit einem Buntstift, vielleicht.


| zurück | Alexander :: 25.09.2009

 
 
 
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